Das wissenschaftliche Werk

Das wissenschaftliche Werk Kurt Beyers ist eingebettet in das Wirken bedeutender Bauingenieure und Professoren an der Technischen Hochschule Dresden. Genannt seien: Otto Mohr, Professor für Technische Mechanik, Festigkeitslehre und Graphische Statik von 1873 bis 1900, Georg Mehrtens, Professor für Eiserne Brücken von 1897 bis 1913, und Willy Gehler, Professor für Festigkeitslehre, Statik und Stahlbrückenbau von 1913 bis 1945.

In die Jahre vor Beyers 1919 erfolgter Berufung an die Technische Hochschule Dresden als Professor für Statik der Baukonstruktionen und Technische Mechanik fallen die Entwicklung des Eisenbetons und des Spannbetons, der Bau der ersten dünnwandigen Flächentragwerke in Eisenbeton und der Bau großer Eisenbrücken.

Vor diesem historischen Hintergrund ist das 1927 nach etwa fünfjähriger Arbeit erschienene Hauptwerk Kurt Beyers "Die Statik im Eisenbetonbau" zu sehen. Von der Fachwelt wurde es sofort als eine besondere Leistung gewürdigt. In der Westdeutschen Bauzeitung schrieb der Rezensent: "Man möchte das abgegriffene Wort 'epochemachend' für dieses Werk anwenden, denn es bringt grundsätzlich Neues." Gotthard Franz, Assistent Beyers von 1928 bis 1931, später Professor für Massivbau in Karlsruhe, charakterisiert dieses bedeutende Buch 1978 mit den Worten: "Dieses Werk sehe ich noch heute als den Abschluß der klassischen Statik an, aufgebaut auf dem Prinzip der virtuellen Arbeiten" /2/. Sowohl wegen des Umfanges von etwa 800 Seiten als auch wegen der anspruchsvollen Darstellung wurde dieses Buch bald als "Beyer-Bibel" tituliert.

Beyer bevorzugte in seinem Buch die deduktive Methode und entwickelte - ausgehend von den Bedingungsgleichungen für Gleichgewicht, Verträglichkeit und Stützung - die dualen Formen der Kraftgrößenmethode und der Deformationsmethode. Als Unbekannte der Deformationsmethode werden Knotendrehwinkel und bei sogenannten verschieblichen Systemen statt der Knotenverschiebungen Stabdrehwinkel eingeführt; elastische Stabdehnungen gerader Stäbe wurden erst in der zweiten Auflage seines Buches berücksichtigt. Das Gleichungssystem wurde so reduziert, daß es mit den Rechenhilfsmitteln seiner Zeit gelöst werden konnte.