Konzepte der Moderne
Inst. für Soziologie der TU Dresden, Seminar im Hauptstudium
WS 2005/06 Ort: HSZ E05, Zeit: Dienstag 7. Doppelstunde
Kommentar:
Für das Selbstverständnis der Soziologie ist die Abgrenzung einer gegenwärtigen von früheren Epochen von Beginn an konstitutiv gewesen: Viele klassische Entwürfe des Faches entwickeln ihre Gesellschaftskonzepte anhand der Unterscheidung traditionell-modern (wenn auch nicht unbedingt unter diesen Namen) und greifen dabei vielfach auf den Bedeutungsgehalt von „Neuzeit“ zurück.
Mit dem Begriff „Modernität“ wird im Unterschied dazu das Augenmerk auf die gegenwärtige Verfaßtheit der Kultur bzw. Gesellschaft gelegt. Zeitgenössische Tendenzen werden unter diesem Begriff - ausgehend von den ästhetischen Entwürfen des ausgehenden 19. Jahrhunderts - „modernistisch“ forciert (Avantgarde), oder aber „modernitätskritisch“ abzuwenden oder einzudämmen gesucht.
Unter „Modernisierung“ wird hingegen oftmals der Prozeß verstanden, in dessen Verlauf sich „traditionelle“ Gesellschaften in „moderne“ verwandeln, wobei sich die Frage stellt, ob es mehrere Varianten dieses Prozesses geben und wie bzw. ob man denn sein Ziel (oder seine Ziele) fassen könne.
Im ausgehenden 20. Jahrhundert kann man wiederum Begriffsbildungen wie Post- oder Spätmoderne beobachten, in denen unterschiedliche Auffassungen darüber zum Ausdruck kommen, ob man es vor dem Hintergrund neuer gesellschaftlicher Entwicklungen nun mit einem neuerlichen Epochenbruch zu tun habe („Postmoderne“), oder ob man besser eine Art Unterepoche einrichten solle, um Kontinuitäten zu betonen („Spätmoderne“). Allerdings bleibt eine neue Epoche „Postmoderne“ bereits begrifflich auf eine „Moderne“ bezogen, der sie folgt und der sie ihren Namen verdankt. Eine „Spätmoderne“ wiederum legt die Frage nahe, woher man denn die Gewißheit nehmen könne, sich zwar nicht am Beginn einer neuen, aber immerhin doch am Ende einer ausgehenden Epoche zu befinden.
Im Seminar soll zunächst eine Begriffsklärung stattfinden, bei der die Vielfalt und Hintergründe der möglichen Verständnisse von „modern“ erschlossen werden, um dann einige einflußreiche, aus verschiedenen Disziplinen stammende Konzepte der Moderne zu vergleichen und zu prüfen. Ziel des Seminars ist es, die Teilnehmer für die Komplexität und die Untiefen der Begriffsverwendung von „modern“ und seinen Derivaten zu sensibilisieren.
Teilnahmevoraussetzung ist die Lektüre der Seminarliteratur (es wird ein Reader erstellt), die Beteiligung an der Seminardiskussion sowie die Bereitschaft zur Übernahme kurzer Referate.
Literatur zur Vorbereitung
Gumbrecht, Hans Ulrich: Artikel „Modern, Modernität, Moderne“, in: Brunner, Otto; Conze, Werner; Koselleck, Reinhart (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Bd. 4, Stuttgart 1978, S. 93-131. (Freihandbereich SLUB)