"Die Flut - Diskursanalysen"
Inst. für Soziologie der TU Dresden, Forschungsseminar
Sommersemester 2004 und WS 2004-05 Ort: FAL 232, Mittwoch - 5. DS
Ausgewählte Ergebnisse des Forschungsseminars liegen jetzt in Buchform vor:
Dominik Schrage (Hg.): Die Flut. Diskursanalysen des Dresdner Hochwassers im August 2002 (Reihe Dresdner Beiträge zur Soziologie, Bd. 1), MV Wissenschaft, Münster 2005.
Kommentar im Vorlesungsverzeichnis:
Der Gegenstand der im Forschungsseminar durchzuführenden, von studentischer Seite bearbeiteten Einzelprojekte ist das Hochwasser, das Dresden und Umgebung im Sommer 2002 erreichte. Als methodischer Zugang zu diesem Gegenstand wird die sozialwissenschaftliche Diskursanalyse angewandt. Das bedeutet, im Unterschied zu vielen anderen qualitativen Methoden, daß als zu analysierendes Material nicht Interviews mit Betroffenen, Helfern oder anderen Anteilnehmenden herangezogen oder durchgeführt werden, sondern daß veröffentlichte Quellen (im weiteren Sinne) das empirische Material der Forschungsprojekte bilden. Spachzeugnisse in diesem Sinn können neben Berichten in der regionalen und überregionalen Presse durchaus auch visuelle Materialen (Fotos- oder Fernsehbilder) sein, die auf bildsprachliche Symboliken hin untersucht werden. Man stößt dann auch auf ältere Schichten von Flut- und allgemeiner: Katastrophensymboliken, die im Sommer 2002 aktualisiert und spezifisch modifiziert werden. Die kulturgeschichtlichen Bedeutungen von (Natur- wie menschengemachten) Katastrophen bilden also ein weiteres Arbeitsfeld des Forschungsseminars, insoweit sie die Diskursivierungen der Flut von 2002 aufzuschlüsseln vermögen.
Zum Ablauf:
Nach einer Einführungssitzung in der ersten Semesterwoche wird es eine Blockveranstaltung zur Einführung in die Diskursanlyse als Methode geben (verpflichtende Lektüre und Kurzreferate). Im weiteren Verlauf sollen sich kleine studentische Arbeitsgruppen bilden, die selbständig, aber in Abstimmung mit dem Seminarleiter ein bezüglich des Materials und der Forschungsfrage eingegrenztes Projekt konzipieren und durchführen. In regelmäßigen Plenarsitzungen präsentieren die Projektgruppen den anderen Teilnehmerinnen ihre Zwischenergebnisse und stellen sie zur Diskussion. Das Forschungsseminar wird im WS 2004/05 fortgeführt.
Es ist ausdrücklich erwünscht, bereits vor Seminarbeginn Ideen zu besonders aussagekräftigen Materialkonvoluten zu sammeln und diese ggf. zu sichten bzw. zugänglich zu machen.
Das Forschungsseminar wird einer Teilnahmebeschränkung unterliegen müssen. Der Termin für den Beginn der Einschreibungen wird am Ende des Wintersemesters liegen und der Einschreibemodus Mitte Januar auf der Homepage des Instituts für Soziologie bekanntgegeben.
Literatur zur Einführung:
Reiner Keller, Andreas Hirseland, Werner Schneider, Willy Viehöver (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band 1: Theorien und Methoden, Opladen 2001 (ausführlich)
Schöttler, Peter: Wer hat Angst vor dem 'linguistic turn'?, in: Geschichte und Gesellschaft, Jg. 23 (1997), S. 134-151 (pointiert und knapp).