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Mitbegründerin der organisierten Diakonie,
* 25.7. 1794 Hamburg, + 1.4. 1859 ebd.
S.s Eltern waren der Kaufmann und Ratsherr Heinrich Christian S. und seine Frau Karoline Louise, geb. Volkmann. A. S.s Jugend wurde überschattet vom frühen Verlust der Eltern, dem Tod von drei ihrer vier Brüder sowie der krisenhaften Entwicklung Hamburgs unter französischer Besatzung. Sie erhielt eine kleine Rente aus dem öffentlichen Fonds für Senatorentöchter und bestritt ihren Lebensunterhalt mit Stickereien. Später erlaubten ihr die Zinsen aus zwei kleineren Erbschaften eine anspruchslose Lebensführung.
Seit 1813 unterrichtete A. S. Mädchen aus ihrem Bekanntenkreis, um sie auf die Konfirmation vorzubereiten und auch danach weiter im Glauben zu unterweisen. Auf diese Weise wurde sie selbst zu einer vertieften Beschäftigung mit der Bibel geführt, die sich mit einer ausgeprägt philanthropischen Neigung verband. Großen Eindruck machte ein Besuch bei der Herrnhuter Brüdergemeinde in Gnadau bei Magdeburg auf sie. Thomas von Kempens Schrift »Nachfolge Christi« regte sie zu intensiveren Studien an. Dabei nahm ihre Religiosität schwärmerische Züge an. Freimütig äußerte sie als Lutheranerin ihre Sympathien für pietistische und katholische, gelegentlich auch für quäkerische Glaubensformen. »Andern dienend, sich selbst verzehrend«, wurde der Wahlspruch von A. S. 1816 gründete sie mit elf weiteren Frauen eine kleine Freischule für arme Mädchen, die bis 1858 existierte.
Seit 1823 befaßte sich A. S. mit dem Plan, nach dem Vorbild der Vinzentinerinnen und Borromäerinnen einen Orden barmherziger Schwestern innerhalb der protestantischen Kirche zu gründen. Angesichts der völlig unzureichend organisierten Armenfürsorge durch Staat und Kirche eröffnete sich hierbei - zumal für alleinstehende Frauen - ein wichtiges Aufgabenfeld. Als 1831 in Hamburg eine Choleraepidemie ausbrach, stellte A. S. ihre ursprünglichen Pläne zurück, um sich ganz dem Hospitaldienst widmen zu können. Aufgrund der hierbei gesammelten Erfahrungen gründete sie 1832 den »weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege«. Sie gehörte zu den ersten Frauen des Bürgertums, die sich der sozialen Not in dieser Weise annahmen.
Ihr Verständnis weiblicher Fürsorgetätigkeit und der damit verbundene Ausbau der weiblichen Diakonie unterschied sich deutlich von den emanzipatorischen Zielen der liberalen Frauenbewegung um die Jahrhundertmitte. Das von Theodor Fliedner in Kaiserswerth gegründete Diakonissenhaus entsprach zwar dem ursprünglichen Ideal A. S.s von einer barmherzigen Schwesterngemeinschaft. Dennoch lehnte sie die Angebote Fliedners ab, ein Leitungsamt in seinem Haus zu übernehmen. Ihr Verbleib in Hamburg kam dem Fortbestand des Vereins zugute. 1837 konnte mit dem Bau von Armenwohnungen begonnen werden. 1840 wurde das Amalienstift eingeweiht, dem ein privates Kinderkrankenhaus angegliedert war. Zur gleichen Zeit erteilte A. S. in einem neugegründeten Institut für Erzieherinnen Religionsunterricht.
In ihren Publikationen und auf ihren Vortragsreisen setzte sie sich vor allem mit Themen der Armenfürsorge auseinander. In ihren 1855 veröffentlichten »Unterhaltungen über einzelne Abschnitte der Heiligen Schrift« knüpft sie an ihre ersten religiösen Schriften an. Der von ihr gegründete Verein für Armen- und Krankenpflege konnte seinen Aufgabenbereich auch nach ihrem Tod weiter ausdehnen und besteht seit 1978 unter dem Namen »Amalie-Sieveking-Stiftung«.
A. S. kommt das Verdienst zu, die weibliche Diakonie auf eine genossenschaftlich organisierte Vereinsbasis gestellt zu haben, wobei den Frauen die Leitungs-, den Männern allenfalls Beratungsfunktionen zukamen. Verbunden mit einem explizit christlichen Selbstverständnis trug dies in der Folgezeit bei zu einem Wandel hinsichtlich der Beteiligung von Frauen an kirchlicher Verantwortung sowie der Bewertung von Frauenarbeit innerhalb der Kirche.
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