Theo van Doesburg

Biographie

30. 8.1883 in Utrecht geboren

Pseudonym nach dem Namen seines Stiefvaters Theodorus Doesburg

ab 1902 will er freier Künstler und Schriftsteller werden, künstlerisch Autodidakt

ab 1912 kritische Artikel über Kunst

Seit 1916 Kontakte zu Oud, van der Leck, Huszar, Mondrian

1917 Gründung der Zeitschrift De Stijl

Ab 1920 zahlreiche Propagandareisen für De Stijl nach Belgien, Frankreich, Italien und Deutschland. Sympathisierung mit Dada-Künstlern.

1921 Kontakt zu Bauhaus-Künstlern

1922 vergeblicher Versuch, Dozent am Bauhaus zu werden. Einführung des Dadaimus in den Niederlanden, Gründung der Zeitschrift "Mecano".

Teilnahme am Konstruktivisten-Kongreß in Weimar, Verbindung zu El Lissitzky

1924 publiziet er "Grundbegriffe der neuen gestaltenden Kunst" in der Reihe der Bauhaus-Bücher

1926-28 Arbeiten der Aubette in Straßburg, mit Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp

7. 3. 1931 Tod nach einem Herzanfall in Davos

 
 
Vincent van Gogh, Der Sämann, 1890

künstlerischer Einfluß

Theo van Doesburg war der geistige Kopf der De Stijl-Bewegung. Der gebürtige Christian Emil Marie Küpper wählte seinen Künstlernamen in Anlehnung an den Namen seines Stiefvaters Theodorus. Theo van Doesburg besaß keine künstlerische Ausbildung, publizierte aber als Autodidakt seit 1912 kritische Artikel über Kunst. Beeinflußt wurde er insbesondere durch Vincent van Gogh und Futuristen. Im Jahr 1914 schloß er Bekanntschaft mit dem Schriftsteller und Dichter Antony van Kok. Seine künstlerische Prägung entstand ab 1916 durch Kontakte zu Oud, van der Leck, Huzar und Mondrian. Von Huzars Werken war Theo van Doesburg so begeistert, daß er einige Bilder kaufte.

Theo van Doesburg malte zunächst in der Tradition van Goghs. Das Werk Meisje von Vilmos Huszar aus dem Jahr 1916 diente ihm als Vorbild für sein Werk Vrouwekop von 1917, das aus Flächen besteht, welche durch horizontale und vertikale Linien gegliedert sind. An diesem Werk entdeckte er das Stijl-Prinzip, die aus rechteckigen Feldern bestehende autonome Komposition.


"Ich habe ein Bildnis von Helena in Buntglas entworfen! Es schlägt das Mittelalter vollkommen in Stücke! Noch Stunden später zittere ich, und selbst jetzt strömen Tränen in meine Augen, wenn ich die Studie ansehe. Es ist die schönste Sache, die jemals in Buntglas gemacht wurde."
Aus einem Brief von Theo van Doesburg in: Warncke, Seite 46

 
 
Theo van Doesburg, Skizze zur Großen Pastorale, 1921

Die figürliche Abstraktion läßt sich gut an der großen Pastorale, einem Buntglasfenster für die Landwirtschaftsschule in Drachten nachvollziehen. Thema des Werks sind typische bäuerliche Tätigkeiten.

 
 
Theo van Doesburg, Große Pastorale, 1921-22

Als Vorbild für die Große Pastorale diente Theo van Doesburg das Werk "Der Sämann" von Vincent van Gogh. In mehreren Abstraktionszyklen löste Theo van Doesburg das aus vielen differenzierten Flächen bestehende Ölbild in wenige Rechtecke, rechtwinklige Dreiecke und Trapeze auf. Eine Reduktion fand nicht nur in bezug auf die Form, sondern auch hinsichtlich der Farben statt: Theo van Doesburg beschränkt sich überwiegend auf rotes, blaues und farbloses Glas, Gelb, Orange und Grau werden nur wenig verwendet.

Im Gegensatz zu späteren Werken ist die Große Pastorale keine rein abstrakte Darstellung, Ursprung der Arbeit ist eine figürliche Studie, auch in der Endfassung bleibt der arbeitende Mensch erkennbar.

Nach der Restaurierung wurden die beiden Fenster irrtümlich vertauscht eingesetzt, wodurch das kompositorische Gleichgewicht nicht mehr spürbar ist.

 
 
Theo van Doesburg, Cornelius van Eesteren, Maison Particulière, 1923

Maison particulière

Das Maison Particulière ist ein gemeinsames Projekt von Theo van Doesburg und Cornelius van Eesteren. Die Räume gruppieren sich frei um einen zentalen Treppenhauskern. Bei der Gebäudekomposition wurde ein Raumprogramm erstellt, in dem Größe und Form der Räume festgelegt wurden. Anschließend wurden die Räume nach Gestalt und Form angeordnet. Bei diesem von innen nach außen gerichteten Planungsprozeß entstanden gleichwertige Fassaden.

Die farbliche Gestaltung des Gebäudes beschränkte sich auf die Verwendung von Primärfarben sowie Schwarz und Weiß. Neu und wegbereitend für die architektonische Raumauffassung der Moderne war die von den architektonischen Elementen unabhängige Anordnung der Farbflächen. Die Farbflächen greifen auf andere Räume über und durchdringen die architektonischen Elemente.


"Architektur [wird] von einem raumumschließenden, von der Umgebung abteilenden Objekt zu einem räumlichen und bewegt gruppierten Gefüge von Flächen."
Warncke, Seite 164

Während die Farbgestaltung die Auflösung des Gebäudes in Flächen vorwegnimmt, bleibt die Gebäudehülle in kubischen Formen erhalten.

Die Isometrie des Maison particulière mit dem bestimmenden Element der Diagonale diente van Doesburg als Grundlage für die Schaffung von Kontra-Konstruktionen, die einen Zwischenschritt zum Elementarismus darstellen.

Die Bewegung de Stijl leistet am Anfang des 20. Jahrhunderts einen wichtigen Beitrag zur Auflösung des Raumes in der Architektur. Von der vorherrschenden Form der "Kiste" beginnt beim Maison Particulière die Auflösung des Raums, angedeutet durch Farbflächen. Dieser Prozeß wird beim Rietveld Schröder Haus fortgesetzt: das das Gebäude löst sich in die Einzelelemente auf. Im Barcelona Pavillon von Mies van der Rohe wurde die Auflösung der Kiste konsequent weitergeführt: Der fließende Raum läßt die Grenzen zwischen Innen und Außen verschwinden.

 
  Bruch Theo van Doesburg – Piet Mondrian

Theo van Doesburg und seine Frau Nelly waren 1923 für längere Zeit bei Mondrian zu Gast. Zwischen dem 23. und 25. ? arbeiteten Mondrian und Theo van Doesburg sehr intensiv gemeinsam. Doesburgs Frau Nelly schreibt, daß er die Malerei zu "größerer Einfachheit und mehr Ausdruck" weiterentwickeln wollte.

Piet Mondrian bezeichnete seine Arbeiten als "altmodisch", nachdem er Theo van Doesburgs neueste Werke sah. Danach arbeiteten Theo van Doesburg und Piet Mondrian an einem gemeinsamen Bild, in dem alle individuellen Spuren getilgt werden sollen. Plötzlich kam es aufgrund ungeklärter Umstände zum Bruch mit Piet Mondrian wegen "Schizophrenie". Eine maßgebliche Ursache wird jedoch die Entwicklung des Elementarismus durch Theo van Doesburg sein. Damit verbunden war die Einführung der Diagonale, deren Verwendung Mondrian ablehnte.

 
Martin Sommer, 6. Nov. 2002 < Übersicht ^ > Piet Mondrian