"Untersuchungen zum Einfluß der Verfahrenstechnik in Kläranlagen
auf die Eliminierung ausgewählter Östrogene und Xenoöstrogene aus dem Abwasser" (ENDO)BMBF Forschungsvorhaben Nr. 02WA9979/0
Laufzeit: August 1999 - Januar 2001
Mitarbeiter: Dipl.-Ing. Lars Tennhardt , Dipl.-Ing. Martin Gehring , Dr.-Ing. Diethelm Weltin
Diplomarbeiten:
Abschlußbericht:
- Lars Tennhardt: Verhalten von ausgewählten endokrin wirksamen Substanzen bei der aeroben und anaeroben Klärschlammstabilisierung. pdf (1 MB)
- Dirk Vogel: Verhalten von ausgewählten endokrin wirksamen Substanzen und deren Metaboliten bei der anaeroben Klärschlammmobilisierung. pdf (1,7 MB)
Ausschnitte:
- überarbeitete Version vom Februar 2004, mit Material und Methoden pdf (1,3 MB)
- Hauptteil ohne Material & Methoden, ohne Anhang pdf (0,5 MB)
- Material & Methoden
- Anhang mit Datentabellen pdf (0,7 MB)
1.1 Wissenschaftliche Ziele und Aufgaben des Teilvorhabens
Ziel des Teilvorhabens war es, das Verhalten ausgesuchter endokrin wirksamer Substanzen bei der biologischen Behandlung von Rohschlämmen zu untersuchen. Unterschiedliche Verfahren sollten dabei im Labormaßstab simuliert und mit Ergebnissen aus großtechnischen Anlagen verglichen werden. Aufgabe der Arbeitsgruppe war es, Abbauversuche im aeroben und anaeroben Milieu durchzuführen. Im Einzelnen waren dies einstufige Anaerobversuche zur Simulation der großtechnischen Schlammfaulung, Fermentationsversuche zum Abbau eines Gemisches aus Fettabscheiderrückständen und Rohschlamm und die Untersuchung einer großtechnischen Anlage zur Co–Fermentation von Bioabfällen und Klärschlamm. Aerobversuche wurden in Batchversuchen unter thermophilen und psychrophilen Bedingungen sowie in parallel betriebenen Laborbelebtschlammanlagen als simultan aerobe Schlammstabilisierung durchgeführt. Eine weitere Aufgabe der Arbeitsgruppe bestand in der Durchführung der versuchsbegleitenden Analytik. Dabei wurden Abwasser- und Feststoffproben aus den im Projekt beprobten großtechnischen Kläranlagen auf den Gehalt ausgewählter endokrin wirksamer Substanzen (EWS) untersucht.
4.6 Schlußfolgerungen
In Zukunft sollten diejenigen Verfahren bei Planung und/oder Umbau von Kläranlagen angewendet werden, die eine Abreicherung von EWS im Klärschlamm bewirken. Das Verfahren der Wahl scheint dafür die aerob–psychrophile Klärschlammbehandlung zu sein, da dort für fast alle Zielsubstanzen gute bis sehr gute Eliminationsraten erreicht werden. Bei der simultan–aeroben Klärschlammstabilisierung konnte ebenfalls eine gute bis sehr gute Abnahme der Konzentrationen im Schlamm mit zunehmender Laufzeit des Experiments festgestellt werden. Daraus läßt sich schlußfolgern, daß die simultan–aerobe Klärschlammstabilisierung das vor allem bei kleinen Kläranlagen am besten geeignete Verfahren darstellt.
Für die am weitesten verbreitete Technologie der Klärschlammfaulung sollte eine aerob–psychrophile Nachstabilisierung in Erwägung gezogen werden. Bei Neubauten großer Kläranlagen wäre aus ökonomischer Sicht die Kombination aus einer anaerob–mesophil betriebenen Hochlaststufe und einer aerob–psychrophilen Nachstabilisierung denkbar. Eine weitere Möglichkeit der Abreicherung von EWS aus Roh- und gefaulten Schlämmen stellt die aerobe Stabilisierung bzw. Nachstabilisierung mit erhöhten Feststoffgehalten im Sinne einer Kompostierung dar, die jedoch noch nicht untersucht wurde.
4.7 Forschungsbedarf
Das hier als Batch–Versuch durchgeführte aerob–thermophile Experiment sollte analog zum anaerob–mesophilen Experiment als semikontinuierlicher Durchflußversuch mit einem täglich den Reaktor durchlaufenden Massenstrom an Rohschlamm durchgeführt werden. Über die Einfahrphase könnte die dort entstehende Biozönose an die Zielsubstanzen adaptieren und möglicherweise bessere Eliminationsleistungen erzielen.
Die Kompostierung als aerobe Stabilisierungsart sollte zukünftig unter Variierung verschiedener Randparameter untersucht werden, ebenso die simultan–aerobe Klärschlammstabilisierung mit Dotierung des Feststoffzulaufes, um die Elimination aus dem Feststoff ermitteln zu können. Weiterhin sollten Kombinationsverfahren wie die vorgeschlagene anaerob–mesophile Hochlaststufe mit einer aerob–psychrophilen Nachstabilisierung auf ihre Eliminationsleistung hin untersucht werden. Zudem sollte eine Evaluierung und Optimierung speziell der o. g. Kombination unter dem Blickwinkel erfolgen, daß die AP–Vorläufersubstanzen in der anaeroben Stufe vollständig zu AP abgebaut werden, welche in der anschließenden aerob–psychrophilen Stufe eliminiert werden können. Damit wäre ein Höchstmaß an Gesamteliminationsleistung bezüglich der AP und der APX erreicht.
Es besteht zudem erheblicher Forschungsbedarf, um das Verhalten von BPA bei der anaeroben Schlammbehandlung erklären und abschließend beurteilen zu können. Insbesondere sind die Quellen und Mechanismen der Freisetzung unter anaeroben Verhältnissen zu klären. In Untersuchungen vor allem auf großtechnischen Kläranlagen sollten stets auch der partikuläre Zulauf, Sandfang, Fettabscheider und evtl. der Rechen einbezogen werden. Im Zusammenhang mit Abwasser oder/und Schlamm, die zumindest z. T. aus Urin oder/und Faeces gebildet werden, sollten stets auch die Konjugate der jeweiligen Zielsubstanzen analysiert werden. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für Zwischenprodukte des mikrobiellen Abbaus von Zielsubstanzen, z. B. für APnEC. Zwischen Abbau und Elimination kann letztendlich nur durch die quantitative Bestimmung der Abbauprodukte unterschieden werden.
Die teilweise extreme Matrixbelastung von Abwasser- und Klärschlammproben erfordert zum sicheren qualitativen und quantitativen Nachweis der Zielsubstanzen auch bei sehr geringen Konzentrationen (unterster ppt–Bereich) den Einsatz einer GC/MS/MS oder einer LC/MS/MS. Dies alles bedeutet einen erheblichen (zusätzlichen) finanziellen, personellen und technischen Aufwand, der bei der Planung von Untersuchungen berücksichtigt werden muß.
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