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Schokolade
Julia Belusa
Lebensbaum bei den Mayas...
Blut einer Prinzessin bei den Olmeken...
Aphrodisiaka bei den Azteken...
Als Zaubertrank von Casanova benützt...
Goethe und Schillers beliebtestes Getränk...
Der Kakao wie auch das daraus entstehende Getränk, die Schokolade, sind nicht ewig die Lieblingsspeisen ausschließlich der Götter geblieben, sondern haben auch schnell die Herzen der einfachen Menschen erobert. Heutzutage sind Kakao, Kaffee oder Tee alltägliche Getränke, die in unserem Leben eine Selbstverständlichkeit bilden, in der früheren Neuzeit aber war es nicht der Fall. In der Tat dauerte es mehrere Jahrhunderte, bis die Speise der Götter, wie die Uramerikaner Kakao nannten, zum Massenprodukt wurde.
bis 1500:
Schon bei den Ureinwohnern des Tals um Mexiko City, die Olmeken (Glanzzeit um 1500 vor Christi Geburt bis 300 nach Christi Geburt), die Mayas (um 1500 vor Christi Geburt bis 1000 nach Christi Geburt) und die Azteken (um 1200 nach Christi Geburt bis zur Ankunft der Europäer), haben die Menschen schnell gelernt, die vielen Eigenschaften des Kakaos zu schätzen und so bauten sie schon sehr früh Kakaobäume im nördlichen Teil Südamerikas an.
Der Gott Quezalcoatl, der Gärtner des Paradieses, hatte der Erde und den Menschen den Kakaobaum geschenkt, wie es in einer olmekischen Sage heißt. Aber dieses Paradies wurde zerstört und der Kakaobaum war das einzige, was davon übrig blieb und wurde also ein Symbol für dieses verlorene goldene Zeitalter.
Die Namen Kakao und Schokolade sind also altmexikanischen Ursprungs, wie auch die Vorbereitungsmethoden (Röstung, Befreiung der Schalen, Zerreibung der Kerne und Kochen), die die Europäer einfach übernahmen. In den altmexikanischen Gesellschaften galten die Kakaobohnen als Währung und Zahlungsmittel und wurden also deshalb oft gefälscht, sie waren auch eine rechnerische Einheit. Vor allem aber war Kakao für sie die Speise der Götter und spielte im religiösen wie auch im sozialen Leben eine entscheidende Rolle.
1502:
Erste Begegnung eines Europäers mit einer Kakaobohne.
Am 15. August 1502 (oder am 30. Juli, alle Autoren sind sich nicht einig) sieht Christoph Kolumbus zum ersten Mal diese seltsame Frucht, Kakao. Er reiste aber weiter auf der Suche nach Schätzen, die mehr glänzten.
1519:
Als die Einwohner der Tabascoküste Hernan Cortes in seiner glänzenden Rüstung mit seinem weißen und bärtigen Gesicht zu ihnen reitend sahen, da glaubten sie, dass ihr Gott Quezalcoatl endlich zurück sei. Man führte ihn zum mächtigen Kaiser Moctezuma, wo er ein Getränk Namens xocolatl aus einem Goldpokal trinken durfte.
1528 (oder 1529):
fuhren die spanischen Karavellen voller Gold und Waren aller Art beladen, aber auch mit ein paar Kisten Kakaobohnen, die der Kaiser Moctezuma Cortes geschenkt hatte, nach Europa zurück. Aber Spanien war für Schokolade noch nicht bereit, wie es die Beschreibung von Benzoni erläutert : "Es schien eher ein Getränk für die Schweine zu sein als für die Menschheit", hatte er 1575 geschrieben.
1585:
Die erste große Lieferung von Kakaobohnen aus Vera Cruz erreicht Sevilla, aber nur die Botaniker interessieren sich dafür. Die mit Amerika neu entdeckten Lebensmittel, wie die Tomate, den Mais oder den Truthahn setzten sich trotzdem auf dem alten Kontinent mit Hilfe, der in Mexiko lebenden Aristokratie durch. Diese Durchsetzung war auch im Interesse Spaniens, denn es füllte die königlichen Kassen des Landes, das das Handelsmonopol mit der Neuen Welt bis zum XVII. Jahrhundert besaß.
Den Nonnen und Priestern, die sofort nach seiner Entdeckung nach Amerika reisten, um die Lehre Gottes den "Wilden Völkern" (die tatsächlich "wild" waren, aber eigentlich auf Schokolade!) beizubringen, ist es gelungen, das Rezept dieses seltsamen Getränks dem europäischen Geschmack anzupassen. In der Tat ersetzten sie Chilipfeffer und Maismehl durch Zucker und Vanille, und verwandelten so das ursprünglich sehr dicke und würzige Getränk in ein süßes und flüssigeres Getränk, welches sie in Europa verkaufen konnten. Dieses Eingreifen der Geistlichen in der Welt des Kakaokonsums ist das erste Zeichen einer engen Beziehung von Schokolade und Religion. Schokolade hatte nicht nur einen materiellen Wert für sie, sondern besaß eine Eigenschaft, die sie vor allem für Katholiken besonders interessant machte: ihr großer Nährwert. Denn nach dem Grundsatz "Liquidum non frangit jejunum" brechen Flüssigkeiten die Fastenzeit nicht, und so konnte die Schokolade diese vielen schweren Tage erleichtern und süßer machen.
1606:
Erste cioccolatieri in Italien, die die Kunst der Herstellung von Schokolade beherrschten.
Mit Hilfe ihrer Eigenschaft und ihrer Liebhaber innerhalb der geistlichen Welt, verbreitete sich das Getränk in den katholischen Regionen Europas. So erreichte es schnell Rom, den Mittelpunkt der katholischen Welt. Auch politische Wege dienten seinem Erfolg, zum Beispiel konnte es Neapel, Sizilien und die Lombardei dank der politischen Verbindungen erreichen, die sie damals mit Spanien hatten.
Auf die Dauer wurde es Spanien unmöglich, sich das Monopol der Schokolade zu sichern, denn die Niederländer und die Briten fassten in den westindischen Gewässern Fuß.
Danach überschritt Schokolade andere Grenzen und erreichte langsam die Küche der deutschen und polnischen Prinzen. Aus den Niederlanden gelangte die Schokolade nach Berlin an den Hof des Großen Kurfürsten, dessen holländischer Leibarzt, Cornelius Bontekoe, mit seinen Schriften viel zur Verbreitung des Genusses der Heißgetränke (Kaffee, Tee und Schokolade) beigetragen hat.
Auch Ereignisse der hohen Politik, wie die Vermählung Ludwigs XIII. mit Anna von Österreich, der Tochter des spanischen Königs (1615) bahnten ihm den Weg nach Versailles. So war auch Kardinal Mazarin, der in Frankreich ab 1643 regierte und der aus Italien stammte, mit zwei italienischen Köchen, die in der Zubereitung von Tee, Kaffee und Schokolade spezialisiert waren, gekommen. Schokolade wurde schnell ein Modegetränk an den großen Höfen Europas.
1640:
Schokolade wird zum ersten Mal in deutschen Apothekertaxen erwähnt.
Wie alle neuen Produkte war die Schokolade im Zentrum mehren heftigen Debatten, die sie entweder zu einem Teufelswerk (es ist war bekannt, dass die "verbotene Frucht" doppelt so süß schmeckte) oder zum Wundermittel gegen alle möglichen Erkrankungen wie Schwindsucht, Skorbut oder Gicht machte.
1657:
Ein Franzose bringt in dem Londoner Kaffeehaus, Queens Head Alley, Bishopsgate, das erste Schokoladengetränk zum Ausschank.
Im Gegensatz zum Kaffee, der sich in dieser Zeit auch in großen Mengen verbreitete, besaß die Schokolade eine erotische und sinnliche Komponente, die sie in der Aristokratie des Ancien Regimes besonderst beliebt machte, vor allem in der Libertinage- und Rokokozeit. So war Schokolade eher ein morgendliches Getränk, das in der intimen Sphäre getrunken wurde, d. h. im Bett und wenn möglich sogar im Negligé. Diese erotische Komponente findet man auch in den Schokoladenhäuser, wieder, die im Gegensatz zu den Kaffeehäusern nicht ein Ort der politischen Diskussionen und des Zeitschriftlesens waren und die meistens den Frauen verboten waren, sondern eher den Bordells ähnelten.
Meistens tranken eher die Frauen und auch die Geistlichen Schokolade und es galt also als weibliches Getränk im Gegensatz zum Kaffee. Männer aber konnten auf sie nicht ganz verzichten, und Goethe war zum Beispiel ein richtiger Schokoladenliebhaber. Aber obwohl sie sich durch die Schokoladenhäuser und die Senkung der Preise gewissermaßen demokratisiert hatte, blieb Schokolade ein Getränk der Aristokratie und der reichen Leute, vor allem in Frankreich, wo sie sehr stark mit dem politischen System des Absolutismus verbunden war. Vor der französischen Revolution schätzt Lavoisier den jährliche Konsum der Schokolade bei 200 gr. pro Person und pro Jahr in Paris, während in der selben Zeit 5 kg Kaffee konsumiert wurde. Aber Schokoladetrinken war auch mit einem gewissen Ritual verbunden und benötigte ein besonderes Geschirr.
Ab Mitte des XIX. Jahrhunderts und mit den Anfängen der Industrialisierung veränderte sich langsam der Schokoladenkonsum. Es verbürgerlichte sich immer mehr und verlor an Glanz, Pracht und Exotik. Aber echte Liebhaber blieben ihr bis heute noch immer treu.
Literatur:
Wolf Mueller, Seltsame Frucht Kakao, Geschichte des Kakaos und der Schokolade, Verlag Gordian-Maxrieck, Hamburg, 1957.
Le Livre du Chocolat, Autorenkollektiv, Flammarion, Paris, 2001
Daniel Roche, Histoire des Choses banales, Naissance de la consommation XVIIème XIXème, Fayard, Paris, 1999.
Wolfgang Schivelbusch, Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft. Eine Geschichte der genussmittel, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1990.
Heinrich Fincke, Handbuch der Kakaoerzeugnisse, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York, 1965.
N. Besselich, Die Kakao und Schokoladen Fabrikation. Ein illustriertes Fachbuch für die Fabrikation von Schokoladen und Kakaopulver, verlag der Konditor-Zeitung, Trier.
Günter Wolf, Lothar Hickethier, Arnd Härtlein, Heinz Skalweit, Kakao, Schokoladen, Pralinen : Rohstoffe, Herstellung und Gütekontrolle, VEB. Fachbuchverlag, Leipzig, 1963.
Drey neue curieuse Tractätgen Von Dem Trancke Cafe, Sinesischen The, und der Chocolata, Mit einem Nachwort von Ulla Heise, Leipzig, 1986. (Repr. der Ausgabe von 1686).
Eine interessante Internetseite: www.theobroma-cacao.de
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