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Herstellung von Nahrung in der frühen Neuzeit
Annekatrin Geißler
Was haben Menschen in der frühen Neuzeit gegessen? Wie wurden Lebensmittel hergestellt? Welche Herstellungsmethoden kannte man? Fragen die sich so allgemein sicher nicht beantworten lassen, da es zum Beispiel von Region zu Region unterschiedliche Anbauarten oder Arbeitsgeräte zur Herstellung gab und weiterhin der Frühneuzeitliche Speiseplan, anders als der unsrige heute, stark regional und saisonal geprägt und außerdem stark abhängig von klimatischen Bedingungen war. Aus diesem Grund wird hier lediglich ein grobes Verhältnis zwischen Verzehr von tierischen und pflanzlichen Produkten, speziell dem Getreide, über eine Zeitspanne vom hohen Mittelalter bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts dargestellt. In diesem Zusammenhang wird sich auch mit der eigentlichen Herstellung dieser Nahrungsgrundlagen befasst. Eine klare Trennung zwischen Mittelalter und früher Neuzeit findet auch hier nicht statt, da agrarwirtschaftliche und technische Methoden schon auf das Mittelalter zurückgehen und in der Neuzeit zum Teil nur verbessert wurden.
Wir steigen mit dem Bevölkerungswachstum im Hochmittelalter ein. Es kam durch die steigende Bevölkerungsdichte zu einem erhöhten Nahrungsmittelbedarf. Den Vorrang bei der Bedarfsabdeckung hatte die Getreidewirtschaft, da mit ihr höhere Erträge erzielt werden konnten und sie preiswerter als die Viehhaltung war, die mehr Platz für den gleichen Nutzen benötigte. Die Nahrungsgrundlage bildete folglich hauptsächlich Getreide, genauer Getreidebrei (vor allem aus Hirse und Hafer mit Wasser oder Milch, gebraten- Fladenbrot). Brot aus Weizen, Roggen oder Dinkel galt als erlesene Herrenspeise, wobei hier auch erstens regionalbedingte Unterschiede, zweitens Wertabstufungen nach der Höhe der Ernte und drittens Abstufungen zwischen den Getreidesorten bestanden. Danach galten die häufiger angebauten und klimaunempfindlicheren Sorten, Dinkel und Roggen, mancherorts lediglich als Volkskost. Brot aus Hafermehl oder Gerstenbrot waren häufig als Armeleutebrot verpönt.
Mit dem Bevölkerungsrückgang vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit sank die Getreidenachfrage, es wurde weniger Getreide angebaut und bedingt durch Landflucht, verwüsteten ehemalige Anbauflächen und Dörfer. Während die Getreidepreise sanken, wurde verstärkt Viehhaltung und sogar Viehimport betrieben. Diese Preis- und Produktionsverschiebung bezog sich nicht nur auf die Tierhaltung, sondern beinhaltete insgesamt eine Spezialisierung der Nahrungsmittelindustrie. Die Produktion von Genussgütern wie Wein, Bier, Obst und Gemüse, der Anbau von Gewürzen und Färbstoffen wie Weid florierte.
Mit der Bevölkerungszunahme ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stieg die Nachfrage an Nahrungsmitteln, so dass die landwirtschaftliche Produktion ausgebaut wurde. Dazu wurden wüste Böden wieder urbar gemacht, Randböden genutzt und in Küstengebieten neugewonnenes Land für die Agrarproduktion einbezogen (Schleswig- Holstein, gedeichte Marsch um 1500 17000Hekter, um 1650 25000Hekter). Neben der flächenmäßigen Ausweitung der Landwirtschaft versuchte man die Agrarerträge durch verbesserte Anbaumethoden, landwirtschaftliche Spezialisierung, große zusammenhängende Nutzflächen oder auch neue Gerätschaften zu steigern. Dazu entstanden landwirtschaftliche Abhandlungen, von denen die "Vier Bücher zur Landwirtschaft" von Conrad v. Heresbach, mit ihrem Erscheinungsjahr 1570, zu den ersten gehörten.
Produktionssteigerungen fanden vor allem auf großen Nutzflächen, meist auf Gutswirtschaften, statt. Dabei bezogen die häufig adligen Besitzer wüst gewordene Gebiete oder Flächen kleiner Bauern in ihren eigenen Hof mit ein, wodurch große Betriebe entstanden. Auf diesen großen spezialisierten Anbauflächen konnten höhere Erträge erzielt und landwirtschaftliche Techniken die wegweisend waren erzeugt werden. Bei der Spezialisierung taten sich regionale Unterschiede hervor. So galten Niederlande, deutscher Niederrhein, Nordseeküste und die ostelbischen Gebiete um Danzig als im Ackerbau besonders ertragreich, für die Viehhaltung waren vor allem See- und Flussmarschen besonders vorteilig.
Bei den technischen und methodischen Fortschritten ist zum Beispiel die Entwicklung der klassischen Dreifelderwirtschaft des Mittelalters zur verbesserten Dreifelderwirtschaft, mit dem Anbau von Leguminosen, zur Verbesserung der Bodenqualität, bis hin zur Vier- und Fünffelderwirtschaft zu nennen. Weitere Beispiele stellen die Entwicklung der Renffsense und der Getreidesichel dar, beide Sensen lassen sich einfacher und bequemer handhaben und sind auch von Laien zu gebrauchen, die häufig auf großen Gutswirtschaften zu Erntezeiten eingesetzt wurden. Ebenso wie diese Erntegeräte wurde auch der Pflug weiterentwickelt. Er bestand ursprünglich aus Holz, konnte aber keine ausreichende Tiefe erreichen, wodurch die Pflanzen nur flach wurzelten und somit anfällig für Austrocknung oder Verschlemmung waren. Pläne für Eisenpflüge waren schon früh bekannt, konnten sich aber aufgrund der hohen Kosten nur auf großen Höfen durchsetzen. Eine Weiterentwicklung fand auch bei den Verarbeitungsmethoden statt.
Diese rapide Ertragssteigerung bei der Herstellung von Nahrung hielt und hält, durch technische Weiter- und Neuentwicklungen, durch die ausführliche Berücksichtigung der Bodenqualitäten, Pflanzeneigenschaften und bei der Tierhaltung durch die gezielte Zucht, seit dem Ende des 18.Jahrhunderts, ungebrochen an.
Auch wenn hier nur der knappe Zeitraum von Hochmittelalter bis Mitte der frühen Neuzeit betrachtet wurde, dürfte dennoch deutlich geworden sein, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Bevölkerungswachstum und Versorgungssteigerung besteht. Wenn man betrachtet, dass zu Zeiten eines Bevölkerungswachstums eine effektivere Nahrungsmittelproduktion erstrebt wurde wohingegen sich bei loser Bevölkerungsdichte der Konsum von Kostenintensiveren Produkten geleistet werden konnte. Die effektive Herstellung von Nahrung bedeutete in Mittelalter und beginnender Neuzeit häufig die der Getreideprodukte. Seit dem Bevölkerungswachstum im 16. Jahrhundert wurde deutlich, dass die traditionelle Getreideproduktion allein nicht ausreichend sein konnte, um eine ausreichende Versorgung zu erzielen, so dass aus der Notwendigkeit der größeren Nahrungsmittelproduktion neue effektivere Methoden und Techniken entwickelt und exotischere Pflanzen, wie die Kartoffel, zur ausreichenden Versorgung mit Nahrungsmitteln kultiviert wurden.
Literaturliste
Abel, Wilhelm: Deutsche Agrargeschichte,
Abel, Wilhelm: Die Wüstungen des ausgehenden Mittelalters, Ein Beitrag zur Siedlungs- und Agrargeschichte Deutschlands, Jena, 1943
Abel, Wilhelm: Strukturen und Krisen der spätmittelalterlichen Wirtschaft, Stuttgart, 1980
Saalfeld, Diedrich: Wandlungen der bäuerlichen Konsumgewohnheiten vom Mittelalter zur Neuzeit in: Bitsch, Irmgard; Ehlert, Trude; Ertzdorf, Xenia v. (Hrsg.): Massenarmut und Hungerkrise im vorindustriellen Europa, Hamburg Berlin, 1974
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