Der Arbeitskreis "Historische Kriminalitätsforschung in der Vormoderne"
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Im Juli 1991 trafen sich in Stuttgart-Hohenheim erstmals rund 25 Frauen und Männer, um über "Historische Kriminalitätsforschung in der Vormoderne" zu diskutieren. Daß sich aufgrund dieses ersten Treffens ein Arbeitskreis bilden würde, der inzwischen weit über einhundert Interessenten umfaßt und der sich im Jahr 2000 zu seinem zehnten Workshop treffen wird, war damals kaum abzusehen. Aus der Rückschau läßt sich freilich erkennen, warum ausgerechnet am Beginn der neunziger Jahre ein wachsendes Bedürfnis nach Diskussion und Austausch auf dem Feld der Kriminalitätsgeschichte bestand. Fast die Hälfte der Teilnehmer des ersten Treffens hatten zuvor auf dem Feld der historischen Hexenforschung gewirkt und zum Teil umfangreiche Arbeiten vorgelegt. Sönke Lorenz und Dieter Bauer hatten 1985 den "Arbeitskreis für interdisziplinäre Hexenforschung" (AKIH) aus der Taufe gehoben, der eine Art "Model" für die Kriminalitätsforscher(innen) bilden sollte. Beide Arbeitskreise tagen unter der Ägide der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim. Aber es gab auch inhaltliche Verbindungen zwischen beiden Forschungsrichtungen: Die neuere Hexenforschung hatte die - zuvor eher ignorierte bzw. als eintönig verkannte - Prozeßüberlieferung zu ihrer Quellengrundlage gemacht und auf dieser Grundlage wichtige regionale Fallstudien erarbeitet. Es lag daher nur nahe, die Erfahrungen mit diesem speziellen Delikt auf das gesamte Feld der Kriminalität zu übertragen. Auch hier waren bisher die Quellen der Justizpraxis zugunsten der Rechtsnormen vernachlässigt worden. Zeitgleich mit den Hexenforschung hatten sich aber auch Vertreter(innen) anderer Disziplinien oder Forschungsrichtungen - etwa der Kirchenzucht, der Volkskunde und der Rechtsgeschichte - für die Gerichtsakten zu interessieren begonnen. Um 1990 lagen die ersten Ergebnisse einer neuen Generation kriminalhistorischer Studien vor. Die "Faszination Kriminalquelle" eint alle am Forschungsfeld Interessierten. Nur sehr bedingt kann man aber von der Kriminalitätsgeschichte als einem einheitlichen Arbeitsfeld sprechen. Wie verschieden die Themen und Schwerpunktsetzungen sind, erweist nicht zuletzt der Blick auf die bisherigen Arbeitskreistreffen. Neben Studien, die sich mit bestimmten Delikten wie Raubkriminalität, Wilderei, Gewalt, Mord, Blasphemie etc. beschäftigen, existieren solche, die Justiz und Kriminalität in einer bestimmten Region in ihrer ganzen Breite zu erfassen suchen. Methodische und theoretische Beiträge stehen empirisch ausgerichteten Werkstattberichten über die Arbeit mit einer bestimmten Quellengruppe gegenüber. Vorträge, die langfristigen Entwicklungstrends nachspüren, finden sich ebenso wie Mikrostudien, die detailliert die Geschichte einer Gemeinde, einer Familie oder gar die Biographie einer Person rekonstruieren. Nur ein Teil der mit Gerichtsakten arbeitenden Forscher(innen) beschäftigt sich dabei mit Kriminalität im engeren Sinn; ein anderer nutzt Gerichtsakten in einem viel weiteren Sinn als Sonde zur Erforschung vergangener Lebenswelten. Beeinflußt durch die neuere kulturhistorische Debatte in der historischen Zunft, werden quantifizierende Verfahren mit deutlicher Zurückhaltung bzw. immer im Zusammenhang mit hermeneutisch-interpretativen Zugangsweisen verwendet. Zeitlich blieb der Arbeitskreis auf die "alteuropäische" Epoche der Geschichte, also auf die Zeit vom Spätmittelalter bis zum Ausgang des Ancien Régime beschränkt, wobei die meisten Arbeiten der Frühneuzeit im engeren Sinn gewidmet sind. Das hat ebenso mit den Wurzeln des Arbeitskreises in der Hexenforschung zu tun wie mit der Tatsache, daß kriminalitätsgeschichtliche Forschungen zum 19. und 20. Jahrhundert bis heute selten geblieben sind. Was den organisatorischen Rahmen angeht, blieb der Stuttgarter Arbeitskreis ein vergleichsweise unaufwendiges und bescheidenes Unternehmen. Auf die Einwerbung von Zuschüssen wurde bewußt verzichtet, ebenso auf die Formulierung eines allzu einengenden Tagungstitels - Maßnahmen, die einen höheren Grad an Formalisierung, Institutionalisierung und möglicherweise eine Selektion des Teilnehmerkreises erforderlich gemacht hätten. Auch wenn die letzten Tagungen zum Teil thematisch gegliederte Sektionen enthielten, um Diskussionen zu bündeln, sollen die jährlichen Treffen auch in Zukunft als offene Foren des Austauschs dienen, wo laufende Arbeiten in Form von Werkstattberichten vorgestellt werden können. Aus der Arbeit des Arbeitskreises hervorgegangene Publikationen: Infos Jahrestagungen des AKHK - Link
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| 04.08.2008 |