2.2.1 Lernen und Wissenserwerb (3)

Neben den Stufen und Arten der Wissensrepräsentation gibt es weitere inividuelle Eigenschaften, die sich auf den Lernprozess auswirken. Detlef Sembil befasst sich intensiv mit der emotionalen Befindlichkeit und weist nach, dass diese ein kaum begriffener, aber sehr wesentlicher Faktor für die Wissensverarbeitung ist. Neueste Forschungen sprechen davon, dass Wissen durch Emotionen gespeichert wird. So sind starke Emotionen (Traumata) mit besonders starken Erinnerungen verbunden.38 Emotionsfreie Informationen 39 müssen speziell codiert werden, um im Gedächtnis zu bleiben.

Eine besondere Rolle spielt auch die Beziehung zwischen Lehrendem und Lernendem. Sembil zeigt z.B. auf, dass Lehrer mit einem niedrigen Niveau eigener kognitiver Strukturiertheit, die Problemlösefähigkeit und Handlungskompetenz von Schülern aktiv behindern.40 Dies geschieht durch eine stark am Inhaltlernen strukturierte Lernumwelt, die in erster Linie der Wissensrepräsentation des Lehrers entgegenkommt.

Die Summe der individuellen Merkmale, die eine wesentliche Rolle in der Wissensverarbeitung spielen und daher Beachtung im Lernprozess verdienen, ließe sich beinahe unendlich fortsetzen.

Entscheidend ist in jedem Fall das Subjekt, der Lernende, mit seinen Sympathien / Antipathien gegenüber dem Lehrenden, seiner insistierischen Motivation, seiner Befindlichkeit, seiner Denkstruktur, den Vorkenntnissen etc.

Die zwingende Notwendigkeit, auf die verschiedensten Lernsubjekte einzugehen, stellt die Lehre vor große Probleme. So ist es nicht möglich, einen geführten Unterricht für jeden Lernenden optimal zu gestalten. Aus diesem Grund wird in der pädagogischen Wissenschaft mehr und mehr das Konzept des Selbstgesteuerten Lernens verfolgt, auf welches im Folgenden eingegangen wird.


Selbstorganisiertes Lernen